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Donnerstag, 2. Februar 2012

TACHELES BIENNALE 2012 / 11.02.-01.05.2012

KUNST & POLITIK 2012

TACHELES BIENNALE 2012 / 11.02.-01.05.2012

ENGLISH VERSION

wirk-liche Kunst / tat-sächliche Politik

_>> Tacheles Biennale-Epistel Panel 1

_>> Epistel Panel 2

_>> Epistel Panel 3

_>> Epistel Panel 4

Traditionellerweise feiert das Kunsthaus Tacheles sein Gründungsdatum am 13.02.1990 mit einer Werkschau, die Zeiten sind vorbei. Um nicht in populärreligiöses Getue abzugleiten und den Entwicklungen zum Ausverkauf der Stadt und des Mensch-Seins in derselben Rechnung zu tragen, heben wir die Tacheles Biennale aus der Taufe. Die TB 2012 steht unter dem Motto: Kunst & Politik. Welches Thema wäre naheliegender, gäbe es ansonsten noch irgendwo die Möglichkeit die Schnittstelle Kunst und das Politische unmittelbarer zu erfahren als am Beispiel des Tacheles Geländes?

Es wäre nur langweilig, hier noch einmal Elektronen darauf zu verschwenden, dass Philosophen und Blender von Zizek bis Sloterdijck geguttenbergt werden, um im Endeffekt zu hoffen, dass die Brüderle gut unterhalten werden und nichts merklen und das Ganze folgenlose Betroffenheitskunstdekoration abgibt. Das wäre doch zu sehr zum Wulffen.

Die Biennale soll als Wahrnehmungswerkzeug dienen. Beginnend mit der Eröffnung am 11.02.2012 im Goldenen Saal des Kunsthauses Tacheles unter Mitwirkung von Musikern des Berliner Symphonieorchesters, der Philharmonie und der Berliner Oper bis zur großen Alexander Rodin Ausstellung in Potsdam steht die TB 2012 ganz im Zeichen der "wirk-lichen Kunst und der tat-sächlichen Politik". Vielleicht ist es ja an der Zeit "das Politische" neu zu verorten, dem Subjekt den Platz zu zuweisen, den es seit Jahrzehnten faktisch verdient, den Müllhaufen der Geschichte. Tacheles hat wie kein anderer Ort Berlins die Möglichkeit, Integration, Ungleichzeitigkeit und Ungleichwertigkeit zu reflektieren, ohne irgendwelchen Kulturmanagementmoden folgen zu müssen. Bar jeglicher Förderansuchen und Sponsoringknebelungen kann die TB 2012 aus dem Vollen schöpfen.

Und das Maß ist hierzulande eher gefühlt als tatsächlich voll - das Kleinbürgertum erhebt wieder seine antisemitische Stimme und fegt in plakativer Empörung sein eigenes mühsam konstruiertes pseudodemokratisches Weltbild aus der Wirklichkeit. Korruption und "graue" Geschäftemacherei sind einerseits moralisch nach wie vor anrüchig, andererseits aber nur dann, wenn es "bemerkt" wird - ansonsten sind sie doch als ein Motor der Freiheit im Großen und Ganzen akzeptiert. Medienspektakel wären ohne Politverbrechen undenkbar, der Polit-, Wirtschafts- und Kulturbetrieb muss korrupt sein, sonst macht es keinen Spaß.

Die Tacheles Biennale nimmt diese Handlungsstränge auf und verdichtet die Dinge zu einem erfahrbaren Kunstbetrieb, der von Demonstrationen bis zu klassischen Ausstellungen reicht. Das Festival organisiert sich aus sich selbst heraus, die einzelnen Events werden zu einem Statement zwischen Realkunst und Realpolitik und damit im inhaltlichen Sinne gefährlich. Dem schlichten schwärmen vom Schwarm, wie in diesen Tagen billiger Zeitgeist im demokratischen Diskurs, ist ein ebenso schlichter Aufstand der Vernunft entgegen zu halten. Konkret wird über dreieinhalb Monate lang zeitgenössische Kunst die politischen und wirtschaftlichen Machenschaften beleuchten, begleiten und bearbeiten. Dieses Experiment wird ermöglicht durch die Krise des Finanzwesens und damit des Eigentums per se.

Einladungen zur Tacheles Biennale sind erfolgt, freier Zugang in aller Widersprüchlichkeit ist erlaubt, Provokation als Kunst ist langweilig, aber Kunst als Politik bringt Systeme und Finanzmärkte zum Schwitzen. Viel Vergnügen oder auch nicht - bei den Tacheles Biennale Veranstaltungen Ihrer Wahl.
Es ist durchaus zynisch und böse gemeint, wenn bei einzelnen Events der Eintritt frei ist, monetäre Systeme sind immer auch Glaubenssysteme, und Glauben bedeutet nicht zu wissen.


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euer Tacheles Team

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