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Donnerstag, 28. April 2011

BRIEF AN DIE SZENEN


Brief an die Szenen.....

Berlin im Wahlkampf 2011, eine Stadt unter Finanzmarkt befeuerten Investorendruck, eine Stadt versunken und zerstört von einem unsäglichen städtebaulichen Desaster, angerichtet in den 90er und 00er Jahren. Eine Stadt im Sog einer Billig- Wegwerfmodernisierung und dumm dreisten Privatisierungsorgie. Autolobbys wollen Autobahnen bis in das Zentrum ohne Parkplätze und Nebenstraßenkonzept, Wasser privatisiert und Millionen wenn nicht Milliarden an Steuergeldern verloren, verschlampt oder schlicht und ergreifend nur verschoben. (Dies ist nur ein kleiner Teil dessen, was in dieser Stadt schief läuft.....)

Berlin eine Stadt am Abgrund, das echte Wirtschaftswunder im 20Jhdt. aus geopolitischen Gründen verpasst und dem neoliberalen Raubzug des frühen 21Jhdts. hirn- und schutzlos ausgeliefert.
Frei nach der Devise "das Geld ist kaputt, darum kaufen wir uns schnell noch eine Billigluxus-Eigentumswohnung und sind dabei dumm wie Stroh (oder Kleinanleger)" stirbt diese einzigartige Stadt.

Außer die Ansätze eines Denkversuches mit anschließender konkreter Arbeit verdichten sich zu echtem Widerstand bzw. zu einer Art "Alternativenentwicklung". Die "Szenen" der Stadt sind fantastisch, die Künstler, Studierenden, Alternativen, Autonomen, Bürgerbewegten, Linken, Armen, Ausländer, Andersdenkenden und viele mehr bestimmen bis heute das Bild Berlins. Sie sind es, die Berlin in den vergangenen 20 Jahren entwickelt haben, sie sind es, die das kreative, innovative, junge und künstlerische Bild der Stadt prägen. Sie sind es aber auch, die nun unter Beihilfe der Politik von Wirtschaftstreibenden bestohlen werden sollen.

Und dies, - - dies müssen WIR stoppen, behindern und letztlich vereiteln.


Mit der Gründung noch einer Initiative oder noch eines Vereins hat dieser Ansatz nichts zu tun, es wäre kontraproduktiv und den Tatsachen nicht entsprechend, den Versuch zu unternehmen, alles unter ein oder zwei Dächer zu bekommen. Die Folge wäre Zeitverschwendung und Schwächung der konkreten "Initiativen in Aktion"*.
Vielmehr geht es darum, bei aller Unterschiedlichkeit, konkrete Ziele zu erreichen, und dies ist momentan mehr als möglich.


Einfach mal den "Berliner Sommer" ausrufen, die Gegensätze und Profilierungsneurosen verdrängen, für jedes Anliegen den richtigen Adressaten suchen und ihm ein verbindliches Statement abpressen. Bis zur Wahl und zum Ende der Koalitionsverhandlungen ist unser Zeitfenster, danach wird es finster - der neokonservative Zombie wird nicht aufhören Berlin zu Tode zu spekulieren, und was dann nicht in den Parteiprogrammen fixiert ist - ist und wird nicht !

Dies meint, wenn wir (z.B) keine A100 Autobahn wollen, müssen wir als nächstes die Grünen und die Linken zu einer verbindlichen Aussage dazu zwingen - dann rückt die SPD schon aus rein wahltaktischen Gründen nach, und so weiter und so fort.... Was meint "zwingen", wieder am Beispiel A100: Die Bürgerinitiative dazu ist sehr gut aufgestellt, die Beteiligung bei Megaspree und den dazu gehörenden Demonstrationen hat großen Informationswert für alle nicht direkt mit der Frage beschäftigten, was nun noch fehlt - ist ein Mehr an Druck auf die Parteien, die am ehesten in dieser Frage bündnisfähig wären. Also die Grünen, die SPD und die Linken sollen gefälligst das NEIN zur A100 in ihr Wahlprogramm schreiben, und tun sie das nicht, dann gibt es noch bis September Zeit ihre Zentralen zu besetzen, ihre Wahlpropagandashows zu intellektualisieren, ihre Kandidaten solange bloß zustellen bis sie zu echter Politik bereit sind.

Also nerven, machen und tun, ganz dynamisch punktuelle Bündnisse eingehen, um Aktionen schlagkräftiger zu machen. Kompetenzen anderer anerkennen und nutzen, keine Zeit für Neid, Missgunst und dergleichen verschwenden. Wichtig dabei ist, nicht hunderte Themen auf einmal zu forcieren, eine "Antiatomkraft-fürTacheles-gegenA100-gegenGentechnik-und-das- Restböse Demonstration" wäre außer peinlich-bescheuert gar nichts, das wäre dann das Wutbürgertum "gegen alles - außer mir selbst" und dies ist kein Widerstand und kein Engagement sondern eine psychische Erkrankung.


Also jetzt oder nie - we support Berlin - auf zum BERLINER SOMMER

mit aktionistisch/optimistischen Grüßen

Martin Reiter


* "Initiativen in Aktion" meint Gruppierungen ob nun offiziell in Vereinen (oder Ähnlichem) organisiert oder nicht, die an einem Thema arbeiten. Beispiele: Kastanienallee21 - Bürger, Anrainer, Künstler schließen sich zusammen, um direkten Widerstand zu leisten. Oder AntiFa und Autonome - Bildungsarbeit, linksradikale Diskussion und Eigentums bzw. Besitzkonflikte ergeben Widerstand gegen städtebaulichen Raubbau, oder Autobahngegner (A100) behindern tatsächlich ein gestriges zum Scheitern verurteiltes Verkehrskonzept aus dem vergangenen Jahrhundert, oder der Wassertisch - alle gemeinsam haben Unterschriften gesammelt und es hat geklappt - der GrünAlternative unterschrieb ebenso wie die Punks, die Antifa und TechnoDJs........mit Absicht habe ich diese vier Beispiele gewählt, zeigen sie doch die tatsächliche Bandbreite des Engagements der Bevölkerung. Sie Wutbürger zu schimpfen, ist typisches Medienversagen und muss an anderer Stelle noch aufgearbeitet werden.


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1 Kommentar:

  1. Wahlprüfsteine entwickeln! Wer die 10 Prüfpunkte nicht berücksichtigt, wird nicht gewählt. Basta!

    Für die Spreeufer in Kreuzberg und Friedrichshain muß es eine sozial ökologische Stadtentwicklungssatzung geben. Siehe www.ms-versenken.org

    Oder, wir machen es wie die Bewohner von Christiania in Kopenhagen.
    Bürger kauft Eure Stadt, bevor es Spekulanten tun!

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